Nachruf Liesel Hartenstein

Veröffentlicht am 21.02.2013 in MdB und MdL

Dr. Liesel Hartenstein

 

Mit großer Bestürzung haben wir vom Tod unserer langjährigen Bundestagsabgeordneten Dr. Liesel Hartenstein erfahren. Wir verlieren mit Liesel eine gute Freundin, die vielen von uns ein persönliches und ein politisches Vorbild war und ist.

Am Freitag, 1. März um 11 Uhr wird im Bürgersaal der Zehntscheuer in Esslingen (Maiergasse 8) eine Trauerfeier stattfinden, die wir Kreisvorsitzenden besuchen werden. Ihr seid gerne eingeladen, uns zu begleiten.

Zu gegebener Zeit wollen wir hier in Liesel Hartensteins Wahlkreis eine Gedenkfeier veranstalten, wo die Würdigung der politischen und persönlichen Leistungen von Dr. Liesel Hartenstein ebenso Raum finden soll wie unsere Erinnerung, unser Gedenken an persönliche Begegnungen und gemeinsam gegangene Wege.

 

 Saskia Esken                                Gerhard Gaiser

SPD-Kreisvorsitzende Calw              SPD-Kreisvorsitzender Freudenstadt


 

 

NACHRUF

Mit großer Betroffenheit haben Mitglieder und Freunde der SPD im früheren Wahlkreis der langjährigen Bundestagsabgeordneten die Nachricht vom Tod Dr. Liesel Hartensteins aufgenommen, die am vergangenen Dienstag im Alter von 84 Jahren in ihrem Wohnort Leinfelden-Echterdingen verstarb. „Liesel Hartenstein hat in ihrer Zeit als SPD-Bundestagsabgeordnete in den Jahren von 1976 bis 1998 in unserem Wahlkreis Calw/Freudenstadt Spuren eines engagierten politischen Lebens einer aufrechten Politikerin und überzeugten Sozialdemokratin hinterlassen“ macht der Freudenstädter Kreisvorsitzende Gerhard Gaiser deutlich.

Es ist doch erstaunlich, was man in so ein Leben alles reinpacken kann.” Das sagte Liesel Hartenstein kurz vor ihrem 80. Geburtstag. Den feierte sie in Echterdingen mit ihrem Mann Eberhard und ihren beiden Kindern bei guter Gesundheit. Noch einmal durfte die promovierte Gymnasiallehrerin bei einem Empfang alle Anerkennung und Ehrungen von politischen Freunden und hohen Respekt von ehemaligen Gegnern erfahren. Liesel Hartenstein bleibt in Erinnerung als streitbare Powerfrau und vielseitige Politikerin, deren Wort und Engagement im Wahlkreis ebenso geschätzt waren wie in Bonn und Berlin.

Die Umweltexpertin erwarb sich als stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages, als Vize-Chefin der Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre” und nicht zuletzt als Delegationsleiterin bei internationalen Konferenzen in der ganzen Welt bis hin zum Klimagipfel in Kyoto 1997 internationale Anerkennung. Der schnelle Klimawandel erschreckte sie noch im Ruhestand: „Die Erderwärmung in Grenzen zu halten ist die vorrangige Aufgabe des 21. Jahrhunderts”, so ihre Überzeugung.

 

In Echterdingen begann sie einst ihre politische Arbeit beim Kampf gegen den Fluglärm. Sie kämpfte als Gründerin der Schutzgemeinschaft gegen den Großflughafen Stuttgart, für die Erhaltung der Filder und für ein gesundes Wohnumfeld für etwa 200 000 Menschen in diesem Raum. Sie ging in die Kommunalpolitik, wurde Mitglied des Landesvorstandes der SPD und startete die Aktion: „Mehr Frauen in den Gemeinderat“. Als Landesvorsitzende der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Frauen stand sie ein für die Gleichberechtigung und gleiche Bildungschancen für Frauen. „Mit ihrem selbstverständlichen Anspruch, als Frau in der Politik gleichberechtigt mitzuwirken, mit ihrem Einsatz für eine Gesellschaft, die Gerechtigkeit und den Schutz von Mensch und Umwelt im privaten, im politischen und im wirtschaftlichen Handeln ernstnimmt, war Liesel Hartenstein für mich ein großes politisches und persönliches Vorbild“ sagt Saskia Esken, die Calwer Kreisvorsitzende der SPD, die Hartenstein kurz nach ihrem Zuzug in den Wahlkreis bei einer Veranstaltung über die Gefahren der Atomenergie kennengelernt hatte. „Ihre in den 80er Jahren ausgesprochenen Warnungen sind heute noch so wahr und so aktuell wie damals. Und als sie uns im Jahr 2010 bei einem Stammtisch des Ortsvereins zum Thema Stuttgart21 besuchte, war sie so umfassend und detailliert informiert wie keiner von uns jüngeren Leuten – und so kritisch wie eh und je!“ erzählt Esken.

 

Die Mitgliedschaft in der Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre” ab 1980 war für Liesel Hartenstein die wohl aktivste Zeit, die nach sieben Jahren internationaler Zusammenarbeit mit internationalen Experten, Wissenschaftlern und Verbänden in der Konferenz in Rio de Janeiro 1992 gipfelte. Früh hatte die Abgeordnete ihre Skepsis gegen den „Wachstums-Fetischismus” geäußert, empfand den Begriff Lebensqualität als ein Schlüsselwort. Sie eckte damit nicht selten auch in ihrer SPD-Bundestagsfraktion an.

 

Im Wahlkreis engagierte sich die Abgeordnete für eine bessere Verkehrspolitik für Straße und Schiene. Die Belange eines umweltverträglichen Tourismus lagen ihr ganz besonders am Herzen. Als erste Politikerin überhaupt hatte sich Liesel Hartenstein bereits ab Anfang der 80er Jahre unermüdlich in die Diskussion um das Waldsterben eingeschaltet und sich vehement für Sofortmaßnahmen gegen das Waldsterben eingesetzt. Das bundesweit beachtete Schwarzwaldprogramm der SPD, in Freudenstadt verabschiedet, trägt ihre Handschrift. Den Problemen der bäuerlichen Landwirtschaft insbesondere in den schwierigen Lagen des Schwarzwaldes galt ihr ganz besonderes Interesse bis zuletzt. Hier sah sie besonderen Handlungsbedarf.

 

Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag blieb Hartenstein mit hohem persönlichem Engagement politisch aktiv. Als Mitglied in zehn Umweltverbänden war sie fast täglich beschäftigt. Eine Sorge trieb sie besonders um: “Das Bewusstsein, dass die Ressourcen der Erde nicht unendlich sind, war in den 70er Jahren weit stärker als heute.” Zahlreiche Veröffentlichungen und Publikationen zur Umweltpolitik, insbesondere zu den Themen Abfallwirtschaft, Klimaschutz, Waldsterben, Vernichtung der Tropenwälder, Zukunft der Landwirtschaft und zur europäischen Umweltpolitik zeugen von ihrem außergewöhnlichen Engagement.

 

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