offener Brief der SPD Kreistagsfraktion: "Erheblicher Unterrichtsausfall in den Berufsschulen des Kreises"

Veröffentlicht am 02.04.2008 in Kreistagsfraktion

Sehr geehrter Herr Landrat,

die Berufsschulen des Landkreises Calw weisen nach Mitteilung der Landesregierung für das zuletzt abgelaufene Schuljahr 2007/08 einen Unterrichtsausfall von 8,3% der Sollstunden auf. Damit hat der Kreis den deutlich schlechtesten Wert aller Kreise im Land (Durchschnitt: 4,4%).

Dabei fasst die Schulstatistik den Unterrichtsausfall sehr eng, erfasst wird nur der ersatzlos wegfallende Unterricht. Dagegen werden Stunden mit fachfremder Aufsicht, Zusammenlegung von Klassen, sog. Stillarbeit o.ä. in der Statistik nicht als Unterrichtsausfall gezählt. Über die letzteren Defizite gibt es keine amtliche Statistik. Immerhin gibt es Stichprobenerhebungen des Kultusministeriums an einigen Schulen, danach sind die Defizite unter Einschluss solcher Vertretungsstunden mehr als doppelt so hoch.

Allein der ersatzlos wegfallende Unterricht in Höhe von 8,3% im Kreis Calw entspricht einer Lücke von mehr als 22 vollen Lehrerdeputaten an unseren Berufsschulen.

Nun ist die Einstellung von Lehrkräften Aufgabe des Landes und nicht des Kreises als Schulträger. – Ich werde mich deshalb als Abgeordneter dafür an die Landesregierung wenden.) Es stellt sich aber durchaus auch die Frage, ob der Kreis als Schulträger der Berufsschulen nicht ebenfalls aktiv werden kann oder ob er über die Dinge einfach hinwegsehen kann, weil er für das Personal „nicht zuständig“ ist.

Die Landesregierung weist etwa darauf hin, dass sie wegen der Engpässe unlängst den Direkt- oder Seiteneinstieg in das berufliche Lehramt auch für geeignete Fachleute geöffnet hat, die kein Lehramtsstudium aufweisen. Könnte hier nicht auch der Schulträger einen Hebel ansetzen und – etwa in Zusammenarbeit mit örtlichen Unternehmen – solche Fachleute aus der Wirtschaft ansprechen?

Außerdem kann der Kreis in seiner Verantwortung für die Berufsschulen und die heimische Berufsausbildung das Ministerium drängen, gemeinsam eine Zielvereinbarung zur Qualitätssicherung aufzustellen, um die Defizite mindestens in den nächsten zwei oder drei Schuljahre schrittweise verbindlich abzubauen. Ohne eine solche verbindlich vereinbarte Zielsetzung muss man befürchten, dass es beim bloßen Bedauern bleibt und auch in Zukunft nichts gegen das Problem unternommen wird.

Wären ferner (um eine weitere Möglichkeit anzusprechen) Bonusregelungen vorstellbar, die es beruflichen Lehrkräften in Mangelfächern (einschließlich Seiteneinsteigern) attraktiv macht, in den Landkreis Calw zu ziehen bzw. hier zu bleiben?

Die Qualität der Berufsschulen gehört mit zu den wichtigsten Standortfaktoren des Kreises und sollte daher schöpferische Phantasie und auch Mut zu unkonventionellen Lösungen frei setzen. Auf die Landesregierung wird man sich kaum allein verlassen können, da für sie die Decke der Unterrichtsversorgung zur Zeit landesweit überall (wenn auch im Kreis Calw in besonderem Ausmaß) zu kurz ist.

Von selbst wird sich das Problem jedenfalls nicht lösen, denn gegenwärtig ist auch die Zahl der studierenden Lehramtsanwärter für berufliche Schulen deutlich zu gering, um den zukünftigen Bedarf zu decken. Das Problem wird sich also mit ziemlicher Sicherheit verschärfen.

Ich darf Sie bitten, das Thema im für die Schulen zuständigen Ausschuss des Kreistags zu behandeln und dabei darzulegen, was der Kreis zur Lösung des Problems beitragen oder selbst unternehmen kann.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Rainer Prewo (Verfasser)
Werner Noé (Fraktionssprecher)

 

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