SPD startet Elternbefragung zum G8

Veröffentlicht am 30.06.2008 in Landtagsfraktion
Fragebogen

„Beim G8 ist nach wie vor der Wurm drin, deshalb fragen wir die Eltern, was besser werden muss", sagte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel anlässlich des Starts einer Aktion zum G8.

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Auch nach der Verkündung einer sogenannten „Qualitätsoffensive Gymnasium“ durch die Landesregierung sieht die SPD-Landtagsfraktion keinerlei Grund, bei den massiven Problemen im G8 Entwarnung zu geben. Sie startet aus diesem Grund eine landesweite Elternbefragung zum G8.

In den nächsten Tagen erhalten alle Eltern der Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis acht an den Gymnasien im Land einen Brief und einen Fragebogen zum G8. Ziel der landesweit von allen SPD-Abgeordneten durchgeführten Aktion sei es, bei diesem wichtigen bildungspolitischen Thema direkt mit den Eltern in Kontakt zu treten und ihnen die Gelegenheit zu geben, ihre bisherigen Erfahrungen mit dem G8 zu schildern.

„Die SPD will wissen, wo die Eltern beim G8 der Schuh drückt und welche Verbesserungsvorschläge sie haben“, sagte Schmiedel. Die SPD mache den Eltern bewusst ein Dialogangebot und unterscheide sich insofern von der Politik der Landesregierung, die ihre Politik über die Köpfe der Betroffenen hinweg mache, ohne deren Sorgen und Probleme zu sehen. „Die SPD nimmt die Sorgen der Betroffenen ernst und setzt mit ihrer Politik auf den Dialog mit den Eltern“, so Schmiedel.

So könnten die Eltern bei der SPD-Fragebogenaktion auch über die Frage abstimmen, ob sie ihr Kind lieber in einen G8- oder G9-Zug schicken würden, vorausgesetzt eine solche Wahlalternative würde angeboten. Die Beteiligten vor Ort sollen selbst entscheiden können, ob parallele G8- und G9-Züge am jeweiligen Gymnasium angeboten werden.

Claus Schmiedel: „Warum sollen nicht Eltern und Schulträger selbst entscheiden, ob sie an ihrem Gymnasium neben dem G8-Zug auch einen G9-Zug anbieten wollen?“ Dadurch könnten für viele Kinder und deren Eltern, aber auch für die Lehrkräfte die Belastungen im G8 reduziert werden. Die SPD sei in dieser Frage nicht abschließend festgelegt, sondern wolle die Meinung der Eltern in die eigene Meinungsbildung bewusst mit einfließen lassen.

Anlass für die G8-Aktion ist nach den Worten Schmiedels die berechtigte Kritik der Eltern an der zu hohen schulischen Belastung ihrer Kinder im G8. Dadurch litten die Freizeit und das Familienleben. Die Landesregierung weigere sich bis zur Stunde immer noch, aus den Mängeln beim G8 die Konsequenzen zu ziehen.

Auch das diese Woche vorgestellte Programm sei lediglich eine Scheinlösung, weil es den Gymnasien nun zwar generell den Betrieb als Ganztagsschule erlaube, jedoch nur wenig dazu beitrage, dass dies auch funktionieren könne. „Aus der von Ministerpräsident Oettinger am Aschermittwoch angekündigten großen G8-Reform ist ein kümmerliches Notbehelfsprogramm geworden“, kritisierte Schmiedel. Rechne man die den Gymnasien zur Verfügung stehenden Budgets für die Hausaufgabenbetreuung auf die Schülerinnen und Schüler in der Unterstufe herunter, so bleibe pro Schüler eine lächerliche Betreuungszeit von etwa 30 Sekunden.

Claus Schmiedel: „Kultusminister Rau fehlen beim G8 der Mut und die Durchsetzungskraft für eine umfassende Reform, wie auch in der Schulstrukturfrage. Er handelt nur noch als Getriebener, ist aber kein Gestalter mehr. Die Quittung für sein Lavieren beim G8 werden ihm die verärgerten, um ihre Kinder besorgten Eltern ausstellen.“

Schulexperte Norbert Zeller: Das G8 funktioniert nur als echte Ganztagsschule

Das G8 kann nach Ansicht des SPD-Schulexperten Norbert Zeller nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn die Stofffülle weiter verringert wird und das G8 endlich als echte Ganztagsschule mit einem pädagogischen Konzept anerkannt wird. „Wir brauchen beim G8 einen Tagesablauf, in dem sich Lernen, Erholung, Vertiefungsphasen, Bewegung und Spiel abwechseln“, beschrieb Zeller sein Konzept einer echten Ganztagsschule.

In diesem rhythmisierten Tagesablauf könnten die Kinder besser individuell gefördert werden. Auch die Hausaufgaben seien darin Bestandteil, so dass diese erledigt sind, wenn die Kinder nach Hause kommen. Dies sei aber keine Aufgabe, die Oberstufenschülern oder ehrenamtlichen Jugendbegleitern aufgebürdet werden dürfe, sondern gehöre zum Bildungsauftrag der Schule. Die sogenannte Qualitätsoffensive der Landesregierung gehe deshalb an den Problemen vorbei und werde die Schülerinnen und Schülern nicht nennenswert entlasten.

Für echte Ganztagsschulen sind aus Sicht Zellers zusätzliche Mittel für zusätzliches pädagogisches Personal zwingend notwendig. „Den Gymnasien und Schulträgern ist völlig schleierhaft, wie sie mit der geringen Förderung des Landes ein gutes Ganztagsschulkonzept vorlegen sollen“, berichtet Zeller von zahlreichen Rückmeldungen.

Das Kosmetik-Programm der Landesregierung sehe vor, dass ein Gymnasium für jeden Zug im Ganztagsbetrieb zusätzlich 7 Lehrerwochenstunden erhält. Hochgerechnet auf ein 4-zügiges Gymnasium mit etwa 1.000 Schülern seien das 28 Stunden. Das sei umgerechnet gerade mal eine zusätzliche Lehrkraft. „Schlicht ein Witz“, kritisierte Zeller.

Einzelheiten zum Elternfragebogen G8
Zeller führte aus, dass im Rahmen der Fragebogenaktion über 150.000 Briefe und Fragebögen an die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis acht an den Gymnasien geschickt bzw. verteilt werden. Zur Sprache kämen darin u. a. die Zahl der Schulstunden pro Woche und die Anzahl der Stunden pro Woche für Hausaufgaben sowie die Frage, inwieweit außerschulische Aktivitäten infolge des G8 leiden.

Die bevorstehende Sommerpause soll nach den Worten Zellers dazu genutzt werden, die Rückmeldungen der Eltern auszuwerten. Im Lichte der statistischen Analyse des Rücklaufs werde die SPD dann im Herbst eine Veranstaltung zur Zukunft des G8 durchführen.

Norbert Zeller: „Die SPD wird die Empfehlungen der Eltern ernst nehmen und in weitere Initiativen zu einer echten, durchgreifenden Verbesserung des G8 einfließen lassen.“

 

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